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Lesung mit Max Franz Johann Schnetker: Transhumanismus zwischen Mythologie und Ideologie


Unter dem Begriff Transhumanismus wird ein Konglomerat neuer Ideologien verhandelt, die sich um die Verbesserung oder sogar Überwindung der menschlichen Konstitution durch Technologie drehen. Obwohl die Ideen des Transhumanismus inhaltlich stark durch Science-Fiction geprägt sind, sind sie dennoch Stichwortgeber finanzstarker Forschungsprogramme. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass transhumanistische Ideen unter Risikokapitalist*innen en vogue sind.

Im deutschsprachigen Raum beflügeln Ideen aus dem Transhumanismus Debatten in den Geisteswissenschaften und füllen periodisch die Feuilletons der Zeitungen. Der Horizont dieser geisteswissenschaftlichen und journalistischen Aneignungen des Themas ist meist kritisch: Gewarnt wird vor einem drohenden Verlust des Menschseins, der mit den Vorteilen technischer Veränderungen auszutarieren sei.


Einig sind sich Enthusiast*innen wie Kritiker*innen allerdings meist in einer Annahme: Sie gehen davon aus, dass die Behauptungen des Transhumanismus über die baldige technische Steuerbarkeit der menschlichen Konstitution realistisch sind. Anders sieht die Reaktion vieler Fachwissenschaftler*innen aus den Bereichen Molekularbiologie, Genetik, KI-Forschung oder Nanotechnologie aus: Sie schlagen angesichts der Behauptungen des Transhumanismus die Hände über dem Kopf zusammen.


In dieser Veranstaltung soll dargelegt werden, dass der Transhumanismus als Neuformulierung mythologischer Narrative zu begreifen ist, welche im Digitalen Kapitalismus eine spezifische ideologische Funktion erfüllen. Die Hauptgefahr des Transhumanismus liegt nicht darin, dass die von ihm behaupteten technologischen Eingriffe ins Menschsein Realität werden. Sie liegt darin, dass Eugenik, Sozialdarwinismus, Antiegalitarismus und neoliberale Marktgläubigkeit zu seinen Stichwortgebern gehören. Damit wird er zur paradigmatischen Ideologie von Gesellschaften, die auf radikale Weise Wohlstand in den Händen einer kleinen Zahl von Technologieunternehmen konzentrieren.


Zum Beginn der Veranstaltung wird es einen kurzen Inputvortrag geben, der einen Überblick über das Thema gibt. Anschließend folgt eine Lesung aus dem Buch »Transhumanistische Mythologie: Rechte Utopien einer technologischen Erlösung durch künstliche Intelligenz«, dass sich mit einer spezifischen Spielart des Transhumanismus befasst: dem Glauben an eine gottgleiche künstliche Superintelligenz. ●

Max Franz Johann Schnetker promoviert an der Uni Bonn in Soziologie zu technizistischen Ideologien im Digitalen Kapitalismus. ●

Uhrzeit:19:30

Ort: Hörsaal D im Hörsaalgebäude der Uni Köln

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